10.02.2026
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PFAS-Verbot: Was Unternehmen jetzt wissen müssen.

Noch sind PFAS in vielen Produkten erlaubt. Noch funktionieren bewährte Materialien, Prozesse und Lieferketten. Das fühlt sich stabil an. Ist es aber nicht. Das geplante PFAS-Verbot verändert nicht einfach Stofflisten. Es verändert die Regeln, nach denen Produkte gedacht, entwickelt und abgesichert werden.
Jennifer Lang Bechtle PLM
Jennifer Lang
Ein auffälliges schwarzes Fass mit der Aufschrift PFAS steht inmitten eines leuchtend grünen Waldes und spiegelt Umweltprobleme wider.

Für Unternehmen geht es deshalb nicht um die Frage, ob gehandelt werden muss. Es geht darum, wann. Und darum, ob man vorausdenkt oder hinterherläuft.

Kurz gesagt: PFAS – die „Ewigkeitschemikalien“ – bleiben extrem lange in der Umwelt und im Körper. Darum arbeitet die EU an einer breiten Beschränkung mit Übergangsfristen und Ausnahmen. Für Konstruktion, Produktentwicklung und Fertigung heißt das: Material neu denken, Designs anpassen, Prozesse absichern – besser jetzt als später.

PFAS kurz erklärt: Worum geht’s?

Zu den PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) gehören mehr als 10.000 synthetische Stoffe. Sie sind beliebt, weil sie wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie temperatur- und chemikalienbeständig sind – deshalb stecken sie in Outdoor-Textilien, Antihaft-Kochgeschirr, Elektronik, Medizinprodukten u. v. m.  

Die Kehrseite: PFAS sind extrem langlebig, reichern sich an und gelten deshalb als „Ewigkeitschemikalien“. Studien sehen Gesundheitsrisiken (u. a. Leber, Hormonsystem, einzelne Krebsarten). Für die Umwelt bedeutet das: dauerhafte Belastung von Böden und Gewässern.

Wie kam das PFAS-Verbot zustande? Die Kurzgeschichte.

Das PFAS-Verbot ist nicht über Nacht entstanden, sondern das Ergebnis eines klaren Handlungsdrucks: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Persistenz, Umweltfunden und möglichen Gesundheitsrisiken machten deutlich, dass die EU aktiv werden muss.

Statt eines Schnellschusses folgte eine breite Konsultation mit über 5.600 Rückmeldungen aus Industrie, Wissenschaft und Umweltverbänden. Das führte zu einem überarbeiteten Vorschlag mit zwei möglichen Wegen:

  • Ein nahezu vollständiges PFAS-Verbot mit kurzer Übergangsfrist oder
  • Ein Verbot mit Ausnahmen, die je nach Anwendung 5 bis 12 Jahre (manchmal auch länger) gelten können – etwa für Halbleiterfertigung oder Medizinprodukte.

Einige Teilverbote, wie etwa für PFHxA-haltige Anwendungen oder bestimmte Löschschäume, sind bereits beschlossen und laufen schrittweise an. Die große, umfassende Beschränkung wird in mehreren Phasen folgen.

Was heißt das für Sie?

Es geht nicht darum, „alles sofort zu verbieten“, sondern gezielt auszusteigen, wo Alternativen möglich sind, und Übergangszeiten klug zu nutzen, wo sie noch nicht möglich sind.

Wichtige Stichtage zum PFAS-Verbot (EU).

Die Tabelle bündelt bereits verabschiedete Termine sowie den Fahrplan der großen, noch laufenden REACH-Beschränkung. Praktisch für Produktentwicklung, Einkauf und Compliance.

Bereich / RegelungWas wird beschränktStichtag(e)Hinweise / Übergangsfristen
PFHxA & verwandte Stoffe – REACH-Anhang XVII, (EU) 2024/2462, Eintrag Nr. 79Verbote u. a. in Textilien/Kleidung (breite Öffentlichkeit), Schuhwaren, Papier/Karton als Lebensmittelkontaktmaterial, Gemische für Verbraucher, Kosmetikaab 10.10.2026Gestaffeltes Inkrafttreten; teils Bestandsschutz je Anwendung
PFHxA & verwandte Stoffe – FortsetzungWeitere Textilanwendungen (außer Kleidung) für die breite Öffentlichkeitab 10.10.2027Ausnahmen u. a. für bestimmte PSA, Medizinprodukte, IVD, Bautextilien
PFHxA & verwandte Stoffe – FortsetzungLöschschäume in der Zivilluftfahrtab 10.10.2029Sektorale Übergänge möglich
PFAS in Löschschäumen (gesamt) – REACH-Änderung (EU) 2025/1988Summe aller PFAS ≥ 1 mg/L in Löschschäumen (Inverkehrbringen/Verwendung)ab 23.10.2030Ausnahmen/Übergänge z. B. für bestimmte Industrieanlagen bis 2035
„Große“ EU PFAS-Beschränkung (REACH-Dossier)Universelle Beschränkung (Optionen: nahezu Komplettverbot oder Verbot mit Ausnahmen von meist 5–12 Jahren)2026: finale RAC/SEAC Stellungnahmen & Kommissionsentscheidung erwartetPhasenweise Umsetzung voraussichtlich bis ~2029
Bitte beachten:

Die umfassende EU-Beschränkung (mit möglichen Ausnahmen und Übergangsfristen) wird erst nach Abschluss der ECHA-Bewertung und dem Kommissionsbeschluss final festgelegt.

Zur offiziellen PFAS-Übersichtsseite der ECHA

Was bedeutet das für die Produktentwicklung?

Das PFAS-Verbot wird die Produktentwicklung in vielen Unternehmen grundlegend verändern – und zwar weit über eine einfache Materialsubstitution hinaus. Denn PFAS sind in zahlreichen Anwendungen nicht nur „ein Stoff unter vielen“, sondern oft funktionale Schlüsselkomponenten. Entsprechend groß sind die Auswirkungen entlang des gesamten Entwicklungsprozesses.

1
Material- und Designänderungen.

Da PFAS aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften – etwa Hitzebeständigkeit, chemische Stabilität oder wasser- und fettabweisende Wirkung – schwer zu ersetzen sind, müssen Produktentwicklungsteams geeignete Alternativmaterialien identifizieren und intensiv testen. Das bedeutet: umfangreiche Laborversuche, neue Designs, Anpassungen an Fertigungsprozesse sowie Validierungen, um die bisherige Produktperformance sicherzustellen.

2
Kosten und Entwicklungszeit.

Der Umstieg auf PFAS-freie Alternativen führt zu höheren Forschungs- und Entwicklungskosten. Neue Materialien müssen beschafft, getestet und gegebenenfalls zertifiziert werden. In regulierten Branchen wie Medizintechnik oder Luftfahrt können Materialänderungen weitreichende Re-Zertifizierungen nach sich ziehen, die Zeit und Ressourcen binden. Unternehmen sollten deshalb von längeren Entwicklungszyklen ausgehen und entsprechende Budgets einplanen.

3
Innovationsdruck als Chance.

Gleichzeitig eröffnet der regulatorische Druck neue Möglichkeiten: Wer frühzeitig auf PFAS-freie Produkte setzt, kann sich als Innovationsführer positionieren. Neue Materialkombinationen, nachhaltige Beschichtungen oder komplett neu gedachte Produktarchitekturen können Wettbewerbsvorteile schaffen – besonders in Märkten, in denen Nachhaltigkeit zunehmend kaufentscheidend wird.

4
Übergangsfristen strategisch nutzen.

Die geplanten Übergangsfristen und Ausnahmen bieten Unternehmen wertvolle Zeitfenster. Diese sollten aktiv genutzt werden, um Lieferketten zu analysieren, Materialabhängigkeiten zu identifizieren und langfristige Beschaffungsstrategien aufzubauen. Unternehmen, die frühzeitig planen, reduzieren das Risiko von Engpässen oder Produktabweichungen – und behalten in einer Phase großer Veränderungen ihre Handlungsfähigkeit.

Wie Software-Tools wie SOLIDWORKS Sustainability unterstützen können.

Obwohl PFAS-relevante Materialien nicht automatisch erkannt oder regulatorisch bewertet werden können, bieten Entwicklungswerkzeuge wie SOLIDWORKS Sustainability wertvolle Unterstützung im Umstellungsprozess. Insbesondere bei der Suche nach Alternativen hilft das integrierte Life-Cycle-Assessment (LCA), verschiedene Materialien und Konstruktionen hinsichtlich ihrer Umweltwirkungen miteinander zu vergleichen. Das erleichtert es, PFAS-freie Optionen nicht nur technisch, sondern auch ökologisch zu bewerten

Zudem lassen sich Auswirkungen von Materialwechseln – etwa veränderte Festigkeiten, Temperaturbeständigkeit oder Gewicht – direkt im Modell simulieren. Das ist wichtig, weil viele PFAS-Alternativen andere physikalische Eigenschaften aufweisen und dadurch Anpassungen am Design notwendig werden können. Die Kombination aus Materialanalyse und Simulation erlaubt bereits in der Produktentwicklung fundierte Entscheidungen darüber, welche Alternativen technisch tragfähig sind und welche Auswirkungen sie auf Herstellung, Performance oder Lebensdauer haben könnten.

Wichtig zu wissen:

Das vollständige Sustainability-Modul ist nicht in jeder SOLIDWORKS Version enthalten, sondern Teil von SOLIDWORKS Premium, das im Gegensatz zur kostenlosen SustainabilityXpress Version auch ganze Baugruppen bewerten kann.

Zu den SOLIDWORKS 3D-CAD Paketen

Es ersetzt zwar keine PFAS‑Compliance-Prüfung, unterstützt Teams jedoch dabei, frühe Entwicklungsentscheidungen nachhaltiger und zukunftssicherer zu treffen – ein entscheidender Vorteil angesichts bevorstehender regulatorischer Änderungen.

Wer jetzt handelt, gewinnt später.

Das PFAS-Verbot wird nicht nur die EU, sondern auch globale Märkte beeinflussen. Das PFAS-Thema ist kein Sprint, eher ein Staffellauf durch Entwicklung, Einkauf, Qualität und Fertigung. Wer früh losläuft, reduziert Risiko, sichert Lieferfähigkeit und kann die Umstellung als Innovationstreiber nutzen.

Jennifer Lang Bechtle PLM
Jennifer Lang
Redakteurin
Mit über 12 Jahren Erfahrung im Engineering und Manufacturing konzentriert sich Jennifer auf Lösungen für die Industrie 4.0, damit Sie den digitalen Wandel erfolgreich meistern.
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